Das Yoga-Sutra des Patanjali – Details zu den vier Kapiteln

Erstes KapIMG_5088itel – Samadhi Pada – Über die Erleuchtung: Was ist Yoga und wohin führt Yoga -> Samadhi – Hier erläutert Patanjali:

Was ist unter Yoga zu verstehen
Gleich nach einer Vorbereitung im ersten Vers „Nun wird Yoga erklärt“ stellt uns Patanjali die Definition und das Ziel von Yoga in dem berühmten 2. Vers vor: yogaś citta vritti nirodha„Yoga ist der innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen“*). Im Zustand von Yoga können wir alles vollständig und richtig erkennen.

Wie funktioniert der Geist
Patanjali nennt die fünf Aktivitäten des Geistes:
1. Richtige ungetrübte Wahrnehmung im Gegensatz zur
2. falschen Wahrnehmung, die durch unsere Konditionierung geprägt ist
3. Vorstellungen, die durch unsere Phantasie, Erinnerungen, Träume, Gefühle (Emotionen und Empfindungen) und Träume hervorgerufen werden,
4. Tiefer traumloser Schlaf und
5. Erinnerungen durch bewusste Erfahrungen, die einen Eindruck in uns hinterlassen.

Wie erreichen wir das Klären des Geistes und damit den Zustand von Yoga
Hier nennt Patanjali die Wichtigkeit von Vertrauen und Hingabe an Gott und das Vergegenwärtigen der göttlichen Eigenschaften: ewig, allwissend, die Quelle allen Seins.

Was hindert den Menschen daran, den Zustand von Yoga zu erreichen
Patanjali zählt Probleme auf, die der Klarheit im Geist entgegenwirken wie Krankheit, Trägheit, übermäßiger Zweifel, Hast, Erschöpfung, Ablenkung, Selbstüberschätzung

Wie gelingt es, den Geist zu klären
Patanjali gibt die Wichtigkeit an in Bezug auf die Achtsamkeit auf das Licht in unserem Herzen, das von Leid unberührt ist, auf die Hinwendung zu erfahrenen Freunden, auf das  Erforschen von Träumen und die Hinwendung unseres Geistes auf Gegenstände, die uns interessieren und die uns ruhiger und klarer werden lassen.

ZweitIMG_5092_2es Kapitel – Sadhana Pada – Über die Praxis: Wie sieht die Yoga-Praxis = Sadhana zur Klärung und Befreiung des Geistes aus: Hier erläutert Patanjali

– Was hindert uns daran, Klarheit und Zufriedenheit zu erleben
Patanjali beschreibt die Ursachen des Leidens und die Wirkungsweise der Hindernisse Kleshas, die den Geist trüben und Klarheit sowie Durchblick verhindern.

– Wie kann man die Hindernisse überwinden
Hier erläutert Patanjali die Achtsamkeit und das Wachsein:
– für das Wirken der Kleshas
– für die Unterscheidung von dem, was wahrgenommen wird, und dem, der wahrnimmt, der sogenannte „Seher“
– für die drei Daseinsmerkmale, die Gunas: Bewegung,Trägheit, Klarheit
– für alles, was sich entwickelt hat von dem Ungeformten zum Differenzierten, und erkennen, dass alles da ist, um uns zu helfen, vom Differenzierten zum Ungeformten, zur Quelle allen Seins zurückzufinden und damit zur Freiheit, nicht mehr den Hindernissen = Kleshas unterworfen zu sein.

Was ist Freiheit
Freiheit ist dann, wenn unser Geist vollständig identisch ist mit dem, was erkennt. Die Läuterung des Geistes führt zum Löschen der Konditionierung, zum Löschen der Einflussnahme der Kleshas und Gunas, zum Klären der Koshas, zum Durchblicken nach Innen und Erkennen unseres Urgrunds, nach Außen und Erkennen der Urgrund allen Seins und Erkennen, dass beides identisch ist, zum Hinausstrahlen des Wesenskerns, zum Alleinssein und Ruhen in Freiheit.

Wie kann man zur Freiheit gelangen
Patanjali vermittelt den achtfachen Pfad, der zur Freiheit führt. Die 8 Schritte sind nicht nacheinander zu üben, sondern beständig und gemäß den eigenen Fähigkeiten. Patanjali beschreibt im 2. Kapitel zunächst die ersten fünf Schritte des achtfachen Yogaweges, mit denen die Ursachen des Leidens angegangen werden können. Diese sind:
1. Yama – Haltung nach Außen (Behutsamkeit, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Mäßigung, Unbestechlichkeit)
2. Niyama – Haltung nach Innen (Reinheit, Dankbarkeit, Disziplin, Respekt, Achtung vor dem Höheren)
3. Asana – Körperübungen
4. Pranayama – Atemübungen
5. Pratyahara – Nach-innen-Richten der Sinne

DrittIMG_5086_3es Kapitel – Vibhuti Pada – Über die Resultate: Wie verändert sich der Geist durch die Klärung, was sind die Resultate / Früchte / Offenbarungen = Vibhuti der Yoga-Praxis : Hier erläutert Patanjali:

– Wie geschieht das Ausrichten des Geistes und der Prozess der Läuterung
Patanjali beschreibt die anderen drei Schritte des achtfachen Yoga-Weges, die zur Befreiung führen. Mit Samyama bezeichnet Patanjali den Prozeß der Meditation, der durch die folgenden drei Schritte geschieht:
6. Dharana – Konzentration – Ausrichten des Geistes auf das Meditationsobjekt
7. Dhyana – Meditation – Halten des Geistes auf dem Meditationbsobjekt
8. Samadhi – Freisein – Verschmelzen mit dem Meditationsobjekt  und Erfahren der Einheit allen Seins

– Welche Veränderungen erfährt der Geist, wenn er immer klarer wird
Patanjali beschreibt, wie sich der Geist ändert:
– tiefes Wissen von unserer Vergangenheit
– Verständnis für den Geisteszustand von uns und anderen
– Wahrnehmung über die vermeintlichen Grenzen hinaus
– Erfahrung, dass Meditation auf Kraft / Stärke zu Kraft / Stärke führt
– Erfahrung, dass Meditation auf unser Herz zur Enthüllung der Natur unseres Geistes führt
– Erfahrung, dass das Ergründen der Beziehung zwischen dem, der wahrnimmt, und der Wahrnehmung selbst zur Erkenntnis der Quelle der Wahrnehmung führt

– Welche Kräfte erwachsen dem Menschen durch die Klarheit
Patanjali beschreibt das Erlangen besonderer Kräfte (Siddhis), die zur Befreiung führen.

VierteIMG_5081_3s Kapitel – Kaivalya-Pāda – Über die Befreiung: Was bedeutet Freiheit/Erwachen/Befreiung/Losgelöstheit = Kaivalya und wie erlangt sie der Mensch: Hier erläutert Patanjali:

– Wohin führt die Klarheit den Menschen
Patanjali erklärt, welche Wirkungen durch die Klarheit in einem selbst und für andere erwachsen (absichtsloses Handeln bewirkt bei anderen Menschen weder Angst noch Probleme)

– Wodurch sind wir und alle Existenz geprägt
Hier beschreibt Patanjali die drei Gunas, die Grundeigenschaften aller Existenz: Bewegung, Schwere, Klarheit und dass alles, was wir über die Sinne wahrnehmen können, d.h. die Vielfalt der Welt durch die verschiedenen Zusammensetzungen der Gunas begründet ist. Patanjali erläutert „den Seher“ in uns, die erkennende unveränderliche Kraft in uns, der alles wahrnimmt, und wie es zu vollkommenem Verstehen kommt: „Wenn der Geist sich nicht mit dem verbindet, was vor ihm liegt, so nimmt er die Form der hinter ihm stehenden erkennenden Kraft in uns an. Dann ist vollkommenes Verstehen.“ *)

– Was ist das höchste Ziel von Yoga
Wenn der Geist nicht mehr getrübt wird durch die Konditionierung (vergleichbar mit der Wolkenschicht am Himmel), die ihn von der wirklichen Wahrnehmung abhält, ist für das Licht der Wahrnehmung in einem befreiten Geist alles offen-sichtlich. Denn dieser kann nun vollständig durchblicken, weil das, was durchblickt, nicht mehr durch den unfreien Geist gefärbt wird. Die Kleshas und Gunas rufen keine Reaktionen mehr im Geist hervor. Ein solcher Mensch hat den Zustand der vollkommenen Freiheit erreicht und verweilt darin. Die Seele / Wesenskern / wahre Natur ruht in reinem Bewusstsein und strahlt. Das ist Vereinigung, das ist Yoga.

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*) Quelle: „Über Freiheit und Meditation, Das Yoga Sutra des Patanjali“, Übertragung und Kommentar von T.K.V. Desikachar, Verlag: Vianova, 4. Auflage 2009

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