2. Die buddhistische Ruhe- und Einsichtsmeditation

IMG_48462.1   Was ist ein Meditationsobjekt

Die buddhistischen Meditation dient der Läuterung durch Ruhe und Einsicht, um die endgültige Befreiung von allem Leid zu erlangen. Dazu wird der Geist zunächst auf ein Meditationsobjekt gelenkt. Es gibt verschiedene Meditationsmethoden, um Ruhe und Einsicht zu erlangen. Eine wichtige Rolle dabei spielt die Atembetrachtung.

Ein Meditationsobjekt ist ein Objekt vor unserem geistigen Auge, auf das der Geist mit Konzentration während der Meditation gerichtet bleibt. In der Buddhistischen Tradition wird als Meditationsobjekt der Atem verwendet, denn er ist unsere Lebensgrundlage. Es ist das,

–  was immer, von Anfang bis zum Ende unseres Lebens bei uns ist,
–  was uns und alle Wesen am Leben erhält, uns mit Energie versorgt,
–  was uns alle verbindet und neutral ist,
–  was eng mit dem Geist verbunden ist (Geist ruhig <-> Atem ruhig),
–  was Bewusstsein verbindet, da der Atem bewusst gelenkt werden kann,
unbewusst fließt und zum Erkennen des Universalbewusstseins führen kann,
–  was in jedem Moment ist,
–  was Ruhe und Raum gibt,
–  was einfach ist und einfach ist,
–  was natürlich fließt, wenn wir es loslassen, und
–  was uns an die Vergänglichkeit und an das Geben und Nehmen erinnert.

Sich dem Meditationsobjekt Atem hingeben heißt, den Geist in dem Atem „auflösen“, so dass nichts mehr außer Atem ist.

2.2    Welche Meditationsmethoden gibt es

Eine Meditationsmethode ist eine Methode, um zur Meditation zu kommen. Es ist nicht die Meditation selbst. Die Meditation fängt an, wenn die Methoden aufhören. Eine Meditationsmethode ist sozusagen der Haken, an den wir den Geist hängen können.

Es gibt zwar viele Meditationsmethoden, aber nur zwei Richtungen der Meditation. Beide Richtungen laufen parallel, vergleichbar einem zweispurigen Weg:

– die eine ist:                   Ruhe (samatha),
– die andere ist:     Klarblick/Einsicht (vipassana).

2.3  Worauf bezieht sich die Einsicht

Die Ruhemeditation ist das Mittel zum Zweck. Der Zweck ist Klarblick/Einsicht und zwar auf das, was der Buddha die drei Daseinsmerkmal des ganzen Universums genannt hat, nämlich:

–  Unbeständigkeit (anicca) : Alles ist beständig im Wandel, in Bewegung. Alles, was entsteht, verändert sich. Die Unbeständigkeit ist das, was beständig ist.
–  Leidhaftigkeit (dukkha): Jede Existenz ist unerfüllt und daher ständig auf der Suche nach Erfüllung. Die Erfüllung kann jedoch nicht im Außen, sondern nur im Inneren gefunden werden.
–  Substanzlosigkeit/Leere (anatta): Es gibt nichts, an dem man sich und das man festhalten kann. Es gibt die Leere, die erfüllend und befreiend ist.

2.4  Welche Meditationsmethoden ergänzen sich

Sich ergänzende Meditationsmethoden sind:
–  die Atemmeditation: bei der der Geist auf die Betrachtung des Atems gelenkt und so zur Ruhe und Einsicht geführt wird.
–  die Stück für Stück-Methode oder Vipassana-Meditation: bei der der Geist Stelle um Stelle oder auf bestimmte Stellen des Körpers gelenkt wird und über die Körperstellen auf die Wahrnehmung der auftauchenden Gefühle (emotionelle und körperliche Empfindungen), so dass über die Läuterung der Gefühle Ruhe und Klarheit im Geist erreicht wird.
–  die Gehmeditation: bei der der Geist auf die Bewegung der Füße und den entstehenden  Sinnesempfindungen gelenkt wird.
–  die Liebende-Güte-Meditation: bei der der Geist auf heilsame Gedanken und so auf Gefühle der Dankbarkeit, Zufriedenheit und der Freude gelenkt wird, um Herzenswärme für sich und für andere hervorzubringen und den Geist zu läutern. Wir leiten den Geist in eine bestimmte Richtung. Und je öfter wir das tun, desto leichter wird es für den Geist sein, den heilsamen Gefühlen zu folgen.
–  die Kontemplation: bei der der Geist auf ein bestimmtes Thema gelenkt wird. Die Antworten zu dem Thema erfolgen durch erkanntes Erleben. Die Themen betreffen alle im Kern die drei Daseinsmerkmale anicca, dukkha und annata (siehe 2.3).

2.5  Welche Methoden der Atembetrachtung gibt es

Der Buddha hat 40 verschiedene Meditationsmethoden gelehrt. Davon gibt es fünf verschiedene Methoden der Atembetrachtung:
–  Das Zählen Der Atem wird wie folgt gezählt:
1 (einatmen), 1 (ausatmen),
2 (einatmen), 2 (ausatmen),
usw. bis zehn, dann wieder von vorne.
–  Das Rezitieren eines Wortes oder Mantras Mit der Atembewegung wird geistig ein Wort gesprochen, z.B.
–  Frie (einatmen) den (ausatmen),
–  Ru (einatmen) he (ausatmen),
–  Lie (einatmen) be (ausatmen).
Nicht mehrere Wörter während einer Meditationssitzung verwenden, sondern bei einem Wort bleiben.
–  Das Vorstellen eines Bildes Mit der Atembewegung wird geistig ein Bild beobachtet, z.B.
–  an den Strand kommende Welle (einatmen),
–  vom Strand wegführende Welle (ausatmen).
Bei einem Bild während einer Meditationssitzung bleiben.
–  Das Empfinden des Windhauchs durch den Atem Mit der Atembewegung wird der Windhauch wahrgenommen, der an der Nasenspitze durch das Ein- und Ausatmen entsteht.
–  Das Wahrnehmen von Beginn, Mitte und Ende des Atemzugs Es wird immer mehr der Moment wahrgenommen, wann der Atemzug endet und neu entsteht. Gleichzeitig wird man sich der Unbeständigkeit und Vergänglichkeit bewusst.

Wird das Zählen, das Rezitieren, das Vorstellen eines Bildes, das Empfinden eines Windhauchs oder das Wahrnehmen von Anfang, Mitte und Ende der Atemzüge durch einen Gedanken, ein Gefühl (emotionelle und körperliche Empfindung) oder durch eine Sinneswahrnehmung unterbrochen, beginnt man wieder von vorne.

Während einer Meditationssitzung ist es ratsam, eine Methode beizubehalten. Während verschiedener Sitzungen kann durch Erfahren die Methode herausgefunden werden, zu der man den größten Zugang hat. Bei dieser Methode sollte man dann längere Zeit bleiben. Um in der Meditation auf dem von Buddha beschriebenen Weg zur Befreiung voranzuschreiten, ist es wichtig, die Meditationserfahrung in den Alltag einfließen zu lassen und auch im Alltag den Geist zu läutern.

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