Kleshas

Kleshas sind die Hindernisse oder Störfaktoren des Geistes, die uns am Glücklichsein hindern und zum Leiden führen. Es sind tief verankerte Tendenzen, die zu Unruhe und Leiden führen und unsere Aura verdunkeln. So ist unsere Wahrnehmung wie durch einen Schleier getrübt und wir können nicht klar erkennen, wie die Dinge wirklich sind. Wir sind nicht wirklich glücklich und frei, sondern oftmals betrübt. Im Yoga geht es darum, sich der wirkenden Kleshas bewusst zu sein und sich davon mehr und mehr zu befreien. Hierzu dient der achtfache Pfad nach Patanjali, der in den alten Schriften beschrieben ist. Patanjali nennt fünf Kleshas

–       Avidya – falsches Wissen
Die eigene Konditioniertheit durch unsere persönlichen Erfahrungen prägen unsere subjektive Wahrnehmung der Welt, die wir dann für allgemein gültig halten. Wir haben keinen Zugang zur absoluten Wirklichkeit, da wir uns stets und ausschließlich in der relativen Wirklichkeit aufhalten. Dieses Unwissen über die zwei grundlegenden Wirklichkeiten und die Unwissenheit darüber, wie wir die absolute Ebene erreichen können, sind die Grundursache des Leidens, die alle anderen Leiden bzw. die weiteren vier Kleshas nach sich zieht.

–       Asmita – Ego-Dünkel
Sich selbst nicht zu kennen, bewirkt Verunsicherung. Diese wird oft durch Selbstdarstellung kompensiert, da wir nach Bestätigung und Anerkennung streben. Im Angebundensein an sich selbst, sind wir in einer Ruhe, die nach keiner Bestätigung mehr verlangt und auch Selbstdarstellung und Anerkannt-werden-wollen überflüssig macht. Die Yogis gehen davon aus, dass unser innerster Wesenskern vollkommen ist. Im Angebundensein an diese Vollkommenheit strahlen wir und sind voller Zufriedenheit und glücklich. Nur ein Erleuchteter ist stets in sich selbst verankert. Solange wir nicht erwacht sind, fallen wir immer wieder aus der Anbindung an die eigene innere Mitte heraus, aus der inneren Ruhe, aus der göttlichen Vollkommenheit, aus dem Glücklichsein. Und dann streben wir wieder nach Glücklichsein und suchen im Außen, wo das Glück nicht zu finden ist. Und der, der sucht, das Ego ist das, was losgelassen werden muss, damit wir wieder uns der Ruhe hingeben können, damit wir wieder in der Verbindung mit uns selbst, unserem Innersten sind.

–       Raga – Anhaftung, Verlangen, Begierde
Solange wir nicht erleuchtet sind, sind wir unerfüllt und suchen die Erfüllung und das Glücklichsein. Doch das Wollen ist das, was unerfüllt macht. Wir begehren, weil wir leiden. Aber wir leiden, weil wir begehren. Und wissen dies nicht. Geben wir die Wünsche auf, tritt Ruhe ein und Freude und Glücklichsein folgen nach.

–       Dvesha – Ablehnung und Hass
Das Gegenteil von Begehren ist die Ablehnung, der Hass, ein Nicht-Wollen, wie die Dinge gerade sind. Es geht nicht um die Aufgabe von Konfliktfähigkeit, sondern um das Annehmen der Dinge, die gerade sind. Desweiteren um ein sich Einfallen-lassen von Lösungen, die eine problematische Lebenssituation entspannen. Und dies ist dann möglich, wenn der Geist weit, offen und leer, entspannt ist.

–       Abhinivesha – Unruhe, Zweifel, (Todes-)Angst
Dieses Klesha ist begründet auf der Angst vor dem Unbekannten. Wir wollen stets Sicherheit und können uns nicht erlauben, in der Unwissenheit zu sein. Denn diese verunsichert und flößt  Angst ein. Angst kann ein Schutz sein, wenn es sich um die Angst vor realen Gefahren handelt. Die Angst vor dem Unbekannten aber, die in diesem Klesha angesprochen wird, lähmt uns. Vertrauen in die Höhere Intelligenz mindert diese Angst vor dem Leben und der Ungewissheit, was das Leben auf uns zukommen lässt. Ziel ist es, sich voller Hingabe dem Lebensfluss/Gott anzuvertrauen. Nach Patanjali ist die Angst vor dem Unbekannten das Klesha, das am schwierigsten überwunden werden kann. Doch mit geduldiger Yogapraxis gelingt es immer mehr, sich von Ängsten nicht mehr so beherrschen zu lassen und innerlich freier und freier zu werden. Mit Yoga gelingt es auch immer mehr, das Vertrauen aufzubauen, dass man nicht tiefer als in die Hände Gottes fallen kann.

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